Tāwle - Am Kopf des Tisches wurde zum Westwind-Festival 2019 in Oberhausen als eine von 11 der bemerkenswertesten Inszenierungen im Kinder- und Jugendtheater in NRW eingeladen.

Begründung Auswahljury:

"Das Ziel des Spiels Tāwle ist es, alle seine Steine in das eigenes Feld zu bringen, wo sie vor dem Zugriff des*der Gegner*in sicher sind. Das Ziel von Nikola ist, die fünf Verwandten auszuwählen, die auf sicherem Weg von Syrien nach Deutschland kommen können.

Autorin und Regisseurin Julia-Huda Nahas gelingt es mit ihrem präzis recherchierten Stück, dass auch wir am Spieltisch Platz nehmen. Welche*r Verwandte hat es verdient, das Ticket in das Exil zu bekommen? Pablo Guaneme Pinilla spielt Nikola mit aller Wut der Verzweiflung über die schiere Unmöglichkeit, den Wust der Bürokratie zu bewältigen. Die Verantwortung, die richtige Wahl zu treffen, lastet auf ihm. Er entscheidet, wer aus dem Kriegsland herauskommen kann. Dies spielt er absolut glaubhaft und eindringlich. Und wir dürfen zuschauen, wie er vor jedem Zug die Konsequenzen abwägt. Ein Kammerstück zum Mitdenken und Mitfühlen. Dank des feinen Perspektiv- wechsels trägt diese Aufführung dazu bei, Menschen statt nur Geflüchtete zu sehen."

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"Tāwle- Am Kopf des Tisches"

Klassenzimmerstück / Monodrama

Text und Regie: Julia-Huda Nahas
Dramaturgie: Reinar Ortmann
Kostüm: Alide Büld
Mit Pablo Guanema Pinilla


„Aber wie soll das gehen? Wie trifft man gerechte Entscheidungen, wenn die Objektivität versagt? Wie einen Anspruch gegen den anderen aufwiegen? Ich meine, wie entscheidet man so was? Wie geht das: Prioritäten setzen?“

Nikola hat es geschafft: Der junge Mann mit syrischen Wurzeln hat erfolgreich sein Studium absolviert und ist bereit für den Start in eine berufliche und private Zukunft. Doch Nikola steht vor einem Dilemma: Fünf seiner Verwandten könnte er die Reise aus dem syrischen Krieg nach Deutschland ermöglichen. Doch auf seiner Liste stehen mindestens zwanzig Namen. Wie soll Nikola entscheiden, wer die Rettung verdient hat und wer nicht? Fünftausend Kilometer Luftlinie verhindern nicht, dass ihm das Schicksal seiner nahen Anverwandten näher kommt als ihm lieb ist. Unversehens ist er zur wichtigsten Person seiner Familie geworden und wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert. „Tāwle – Am Kopf des Tisches“ ist der Monolog eines jungen Mannes zwischen zwei Welten, der Entscheidungen treffen muss, die Leben oder Tod bedeuten können.

Presse:

 

(24.01.2018, Neuss Grevenbroicher Zeitung) Ein kluges Stück für Klassenzimmer und andere Spielorte. Julia-Huda Nahas hat ihre eigenes Stück " Tāwle - Am Kopf des Tisches" für das RLT inszeniert und in einer Schule uraufgeführt. Es geht um ein klassisches Dilemma. Eine Zwickmühle, eine Situation, die zwei Möglichkeiten der Entscheidung bietet, beide aber mit unerwünschtem Ergebnis. " Tāwle - am Kopf des Tisches" (sprich: Taule) heißt das Monodrama, das am Kaarster Albert-Einstein-Gymnasium seine Premiere feierte. (...)

In der Inszenierung von Julia-Huda Nahas, die auch Autorin des Stücks ist, lässt der Schauspieler Pablo Guaneme Pinilla die Steine des Backgammon-Spiels entscheiden, eines der ältesten Brettspiele der Welt. Einerseits ein kluger Schachzug, denn es gibt wohl kaum eine orientalischere Szene als im Café versammelte, würfelnde und Steine schiebende Männer. (...) Nikola verzweifelt schier an seiner doppelten Identität. Das Ende ist offen, so dass die Zuschauer das Dilemma mit nach Hause nehmen müssen. 

 

"Tāwle" ist ein kluges Stück, das sehr in unsere Zeit passt. Die Autorin und Regisseurin hat selbst wie die Figur des Nikola syrische Wurzeln. Auch der sympathische Darsteller Pinilla stammt aus zwei Kulturen. Konzentriert verfolgten die Schüler mehrerer Deutsch-Leistungskurse das Geschehen in der Bibliothek der Schule. (...)

(08.02.2018, Kaarster Stadtspiegel) Theater in der Schülerbibliothek – intensiv und ganz nah dran. (...) Zwischen Wut, Trauer, Verzweiflung und Sehnsucht folgen die Schüler den Gedanken Nikolas, in denen Tāwle, das syrische Backgammon, zum Sinnbild seiner Situation, seiner Möglichkeiten und Grenzen wird. (...) „Wenn man Berichte über die Flüchtlingsdebatte sieht, ist man immer sehr distanziert. Uns hier betrifft das ja nicht. Aber wenn man dann eine Geschichte auf der Bühne sieht, ein persönliches Schicksal, dann greift einen das viel mehr an. Vor allem wenn man weiß, dass das Stück ja auch autobiografische Elemente hat.“ äußerte sich eine Schülerin nach dem Stück als Feedback an das Team. Ein anderer Schüler fand vor allem die schauspielerische Leistung Pinillas beeindruckend: „Es war total faszinierend, wie nah er uns in dem kleinen Raum gekommen ist. Man hat sich wirklich persönlich angesprochen gefühlt und konnte sich den Gedanken dann auch gar nicht entziehen.“

 

Somit hat die bewusste Entscheidung, nicht die Größe und die Bühne des Alber-Einstein-Forums zu wählen, sondern die geringe Distanz zwischen Darsteller und Publikum in der Schülerbibliothek des Stückes dramaturgisch zu nutzen,  ebenfalls nicht ihre Wirkung verfehlt. Erfreulich ist zudem, dass dann nicht nur das Thema die Diskussion der Schüler bestimmt hat, sondern viele eine Begeisterung fürs Theater entdeckt haben, die sie in Zukunft auch nach Neuss ins Landestheater bringen wird.

© 2018 by Julia-Huda Nahas

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